Willkommen in Neuhardenberg
Land Brandenburg – Regierungsbezirk Frankfurt (Oder)

Unser Ort, zwischen Berlin und der Oder gelegen, wurde erstmals 1348 mit der Gewährung des Zolls der Stadt Müncheberg durch Markgraf Ludwig als Quilitz erwähnt.

Wappen von Neuhardenberg

"Es sollen alle zur Kenntnis nehmen, die den Wortlaut des gegenwärtigen Schreibens betrachten, dass wir, Ludwig aus Gottes Gnaden, Markgraf von Brandenburg und der Lausitz, Pfalzgraf vom Rhein, Stadthalter Bayerns und Kärntens und Erzkämmerer des Heiligen Römischen Reiches, Graf von Tirol und Galicien und dazu Rechtsbeistand der Kirchen von Aquilegia, Trient und Prychsia, den ehrenwerten Räten und allen Bürgern insgesamt unserer Stadt Mönchberg, den gegenwärtigen und zukünftigen wegen der Beständigkeit ihrer Treue, die bei unseren Anliegen erwartungsgemäß und tatsächlich erfahren würde, und deswegen, damit sie uns und unseren Nachfolgern immerfort in geschuldeter Treue verharren, Gnade erwiesen haben und durch das gegenwärtige Schreiben folgende Gnade erweisen:

Nämlich, dass der Wagenverkehr auf der öffentlichen Straße, die nach Seelow und Quilitz bis jetzt dahin verläuft - zuvor bei ihnen in unserer obenerwähnten Stadt Mönchberg unter einer ganz ähnlichen Zollentrichtung stehend, wie es nach altem Brauch bewahrt wurde, auch fernerhin eigens in immerwährenden Zeitläufen so weiterlaufen soll." ...

Gegeben in Mönchberg im Jahre 1348 am 2. Wochentag am Tage vor dem Kirchenfest der seeligen Apostel Simon und Judas.


 

um 1480

In Quilitz befinden sich drei Rittergüter. Überliefert sind die Namen Franz von Schapelow, Balthasar von Pfuel und Kaspar von Beerfelde.

1648

Nur 198 Einwohner haben den Dreißigjährigen Krieg überlebt.

1680

Kurfürstin Dorothea von Brandenburg - Schwedt (1618 - 1689) kauft die in Konkurs stehenden drei Rittergüter auf. Alkohol und Spielschulden sollen aus nicht bestätigten Quellen wohl die Ursache gewesen sein?

1684

Übertragung der Güter Quilitz an ihren Sohn Albrecht Friedrich, den späteren Markgrafen von Brandenburg - Sonnenburg (1672 - 1731)

18.04.1763

Friedrich der Große schenkt Quilitz dem späteren General Bernhard von Prittwitz (1726 - 1793), der ihn am 12. August 1759 in der Schlacht bei Kunersdorf vor der Gefangenschaft durch russische Kosaken bewahrt hatte. "Herr, darauf verlasse Er sich, dass Ich Ihm das nie vergessen werde", versicherte der völlig erschöpfte König.

1785-1790

Prittwitz baut ein Schloss als eingeschossige Dreiflügelanlage mit hohem Mansardedach. Friedrich soll gesagt haben: "Prittwitz, er baut ja ein Schloss, er will wohl hoch hinaus!" Und so blieb das Schloss unter der Familie Prittwitz eingeschossig. Ob diese Episode, wie sie Fontane beschreibt, wahr ist, lässt sich nicht beweisen.

Schloss Quilitz um 1790
1792

Im Schlosspark wird das erste Denkmal Preußens für Friedrich II. aufgestellt.

1801

Am 9. Juni vernichtet ein verheerender Brand fast das gesamte Dorf, einschließlich Kirche, Pfarr- und Schulhaus. Das Schlossgebäude bleibt unbeschadet.
 
In dem Predigtbuche des Kossäten Erdmann Winter aus Quilitz findet sich ein Bericht über den großen Dorfbrand von 1801, worin es u.a. heißt:

"Im Jahre 1801, dem 9. Junius, mittags halb zwölf Uhr, wurde der hiesige Ort Quilitz von eine so schreckliche und schnelle Feuersbrunst ergriffen, daß kaum Menschen ihr Leben retten konnten, indem der Wind heftig aus dem Abend blies und das Flugfeuer immer sechs bis zwölf Häuser auf einmal abbrannte. Dadurch konnte auch wenig oder nichts gerettet werden. Erbarmungswürdig war der Zustand mitanzusehen, wie wir unsere Hände nach Hülfe ausstreckten, aber es war vergebens. Die Flamme ließ nicht nach, bis alles verzehrt war, was unter Wind stand. Das Feuer ist bei dem Tischler Meister Friedrich Caspar in dem Holzstall unter den Spänen ausgekommen, von da es gleich die herrschaftlichen Familienhäuser ergriff, die drei großen herrschaftlichen Scheunen, einen großen herrschaftlichen massiven Stall und dann immer so weiter."
Winter zählt dann die 140 Familien auf, die bei diesem Brande ihr Obdach verloren, Bauern und Halbbauern, Büdner und Halbbüdner, Kossäten und Halbkossäten, Leineweber und Damastmacher, Maurer, Zimmerleute und Tischler. Und weiter heißt es:
"Nach diesem Brande sind die Häuser so, wie sie jetzt stehen, auseinander gebaut worden, und viele sind nicht auf ihren alten Stellen geblieben, und dadurch ist das Dorf so lang geworden."
"Mein Haus ist schon dreimal abgebrannt. Zum ersten Mal 1754, den 1. April, zum zweiten Mal 1780, zum dritten Mal 1801, den 9. Junius."
Für den damaligen Grundherren, den "Königlich Preußischen Geheimen Ober-Finanz-, Kriegs- und Domänenrath" Friedrich von Prittwitz war der Brand ein schwerer Schlag. Nicht nur, daß die 16 Hausleutefamilien, die bisher in den beiden herrschaftlichen Familienhäusern gewohnt hatten, obdachlos geworden waren, es oblag ihm als Grundherren von Quilitz auch noch die Pflicht, die Häuser seiner Untertanen wieder aufzubauen.
Quelle: Heimatforscher und Lehrer Ernst Tietze (1887 - 1967)
 


Der junge Schinkel wird mit dem Wiederaufbau des Dorfes betraut.

Auszug aus einem Brief von Friedrich Wilhelm Bernhard von Prittwitz (1764 - 1843) an den Rentmeister Scheibel vom 24. Juli 1801:
Von Neubartsche Zeichnung des Kirchenbaues ist nicht seinen Auftrag werth, denn mein Freund, die Pfeiler würden alles so winklicht machen, daß es abscheulich dunkel werden würde! Ich habe Schinkel seinen ... und ... zu zeichnen. Von Prediger Günth. (Günther) Bedenken gegen die großen Fensterscheiben, obgleich ich als Patron bestimmen kann, wie gebaut werden soll, so ist mir der hsg. Prediger zusätzlich zu lieb als daß ich etwas gegen sein Willen thun möchte. Meine Gründe für die großen Scheiben sind, daß sie erstlich viel mehr Licht geben, zweytens die Kirche dadurch weit gesunder wird, daß die Flügel leichter ohne Zug zu befürchten aufgemacht werden können. Kleine Fenster werden in Blei gelegt dies erkalt und zieht ewig, größte erhalten aber Holzfugen verkittet die stehen fest an. Das Zuschlagen dürfen wir nicht fürchten da in Linie nach der Wetter Seite kommen, diese trifft mehr den Thurm.

Schinkels Zeichnung ist allerliebst, wir bekommen so die schönste Land Kirche in der Mark, so wie durch Ihr Benehmen, mein alter Scheibel, das schönste Dorf!
 
Um endlich den Prediger einen Beweis zu geben wie viel Achtung ich für seine persönliche Annehmlichkeit habe, so will ich im Fall die Kirche nach dem Schinkelschen Plan gebaut wird mir aber in diesen Fall das Kantor Haus, wenn es völlig simetrisch gegen die Promenade und den Hof mit dem Prediger Haus gebaut werden kannn, dahin sehen. Geht dies aber wegen der übrigen Dorfgestaltung? In äußersten gebe ich den Platz zum Garten den Blume gemiethet, vielleicht kann aber der Kantor mit seiner Garten Forderung durch das Terrain der Leute abgefertigt werden die ich bey den Familien Häuser heraus genommen. Mehr Garten als er gehabt muß dieser Kantor aber auf keinen Fall erhalten, auch gebe ich nichts von meinen ...land. Die Kantor Wohnung wird so groß wie das Prediger Haus gebaut, die Spritze kommt darin und eine kleine Wohnung von Stube und Kammer für das Schulholz oder Hirthen. Scheune und Stall wird besonders gebaut und ein Abtritt für die Kinder dort gebaut, die äußeren Wände auch massiv, die innen geklöbt. Auf ein Ziegeldach bestehe ich aber das es so nach ...
 
(Brandenburgisches Landeshauptarchiv, BLH - Pr. Br. Rep. 37
Neuhardenberg Nr. 328, Bl. 23)
(Transkription für Heimatverein Neuhardenberg e.V. Fred Nespethal 3. Mai 2000)
 

1806-1808

Französische Besetzung

1809

Am 10. Dezember Einweihung der neuen Schinkelkirche, anlässlich des 46. Geburtstages des Kirchenpatrons Friedrich Wilhelm Bernhard von Prittwitz.

1811

Am 26. Oktober verkauft von Prittwitz Quilitz für 303.715 Reichstaler an die Krone und geht nach Schlesien.

1814

Am 11. November schenkt Friedrich Wilhelm III. dem preußischen Staatskanzler Fürst Karl August von Hardenberg Quilitz als Standesherrschaft Neu Hardenberg.

1816

Am 1. November hält sich der Staatskanzler erstmalig in Neu Hardenberg auf. Insgesamt verbrachte er nur 165 Tage hier.

1817

Einweihung der neuen Inneneinrichtung der Kirche nach Entwürfen von Schinkel.

1820-1822

Umbau des Schlosses durch Karl Friedrich Schinkel zu einem zweigeschossigen klassizistischen Landschloss, aus dem Mansarddach wurde ein Obergeschoss und eine steinerne Balustrade umgab das Dach, der Mittelrisalit wurde durch zwei Adler, die das Hardenbergsche Familienwappen flankieren, gekrönt.

Schinkelschloss Neu Hardenberg
1822

Am 26. November stirbt der Staatskanzler auf einer Dienstreise in Genua. Knapp ein Jahr später wurde sein Leichnam nach Neu Hardenberg überführt. Schinkel errichtete an der Rückseite der Kirche ein Mausoleum. Das Herz des Staatskanzlers wird noch heute im Altar der Schinkelkirche aufbewahrt.

1862

Am 20. September schreibt Fontane folgenden Geburtstagsbrief an seine Mutter:

"Ich schreibe diese Zeilen im Neuhardenberger-Schloss, wo ich mich seit gestern früh aufhalte und sehr freundlich aufgenommen worden bin. Es ist sehr reich an Kunstschätzen und hat mir viel Ausbeute getan."

1932

Reichspräsident von Hindenburg besucht am 21. September Schloss Neu Hardenberg.

1934

Graf Carl Hans von Hardenberg (1891 - 1958) verpachtet 500 ha Land zum Bau eines Feldflugplatzes an die oberste Heeresverwaltung.

1944

Graf Hardenberg ist an der Vorbereitung des Attentats vom 20. Juli aktiv beteiligt. Im Park und Schloss fanden konspirative Treffen der Widerständler statt. Ein Selbstmordversuch scheitert und er wird in das KZ Sachsenhausen verschleppt.

1949

Am 1. Mai wird der Ort, aus welchen Gründen auch immer, in Marxwalde umbenannt.

1989

Die Wende im Ort verläuft friedlich.

1991

Am 1. Januar erhält der Ort wieder seinen Namen "Neuhardenberg".

1996

Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband erwirbt Schloss und Park von der gräflichen Familie und beginnt eine nationale und internationale Begegnungsstätte zu errichten.

2001

Am 22. September zum Tag der offenen Tür ist das Schloss erstmals wieder der Öffentlichkeit zugänglich.

© Lutz Richter 1998   Letzte Änderung: 16.01.02